Der Hafen soll in Basel sein

© Basler Zeitung; 08.10.2014; Seite bazab2
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Der Hafen soll in Basel sein
Von Patrick Griesser

Die Schweizerischen Rheinhäfen haben ein ernstes Problem. Kaum jemand in der Schweiz weiss wirklich, welche immensen Warenströme über den Rhein in dieses Land gelangen, und dass sie über die Häfen in Basel umgeschlagen werden. Häfen sind für viele – gerade aus Berner Perspektive – eine Angelegenheit zwischen Basel-Stadt und Baselland. Bestenfalls eine Randnotiz im Wirtschaftsleben oder die ansprechende Kulisse für ein Hafenfest. Der Hafen hat national einen Stellenwert, der mit der Bedeutung der Fusions-Initiative für die restliche Schweiz vergleichbar ist oder mit der Frage, welcher Halbkanton denn nun Tennisstar Roger Federer für sich beanspruchen darf.

Wie falsch diese Verniedlichung des Hafens ist, hat sich mittlerweile zumindest in politischen Kreisen herumgesprochen. Die jetzt öffentlich gewordene Möglichkeit im Entwurf des Gütertransportgesetzes, dass der Bund auch Hafenanlagen mitfinanzieren soll, ist ein Beleg für den Erfolg dieser Überzeugungsarbeit.

Doch damit sind weder Millionen gesprochen, noch ist die wesentliche Standortfrage geklärt. Schliesslich prüft das Bundesamt für Verkehr weiterhin, ob nicht auch eine schweizerische Hafenanlage im deutschen Weil am Rhein kostengünstiger und effizienter wäre. Hinter den Kulissen wird über diese Frage mit Vehemenz diskutiert, auch wenn sich derzeit alle Beteiligten in Schweigen hüllen.

Die gesamte Hafenerweiterung mit Containerterminal und drittem Becken soll bis zu 160 Millionen Franken kosten. Solche Summen schütteln Investoren nicht einfach aus dem Ärmel. Das gilt auch für den Bund. Hoffentlich. Deshalb ist eine eingehende Analyse des Ausbaus ein angemessener Schritt. Das Projekt soll immerhin mindestens eine Generation überdauern. Seine Aufgabe ist es, die in den kommenden Jahren und Jahrzehnten erwartete Containerflut aus den Seehäfen im Norden vor allem von der Strasse auf den Wasserweg umzuleiten.

Doch tatsächlich ist es kaum vorstellbar, mit Bundesgeld dieses Stück Schweizer Infrastruktur ins benachbarte Ausland zu verlagern – zumal die Basler Häfen einen massgeblichen Beitrag für die Grund­versorgung des Landes leisten. Die belastete Beziehung zur Europäischen Union ist dabei nur eines von vielen Argumenten.

Die kommenden Monate werden richtungsweisend für den Containerterminal Basel Nord. Die aktuelle Debatte wird auch gewiss von Verkehrs­ministerin Doris Leuthard beobachtet. Diese wird den ­Entscheid aus der Kommission des Nationalrats richtig einzuordnen wissen: als Signal an die Brücke.

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Rainer Luginbühl

Journalist BR, Basel