Fischergalgen

Fischergalgen und Fischerhäuschen am Basler Rhein

(www.schweizfotos.com)

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Die Fischerhäuschen am Basler Rheinufer werden im Vergleich zu früher eher selten zum Fischen genutzt. Vielmehr dienen sie gut betuchten Baslern als Wochenendhäuschen und lauschige Laube: Ein Fischerhäuschen kostet gut und gerne zwischen 50’000 und 100’000 Franken, munkelt man in Basel – ganz abgesehen davon, dass sie sowieso nur höchst selten zum Verkauf angeboten werden, sondern meist innerhalb der Familie oder Verwandtschaft den Besitzer wechseln.

(Hier der Lageplan der Fischergalgen am Basler Rhein).

Vorläufer der Häuschen am Rhein waren die Fischergalgen, auch «Fischwaagen» genannt, und bestanden einfach aus einer Vorrichtung, um ein grosses Netz in den Rhein zu versenken und hochzuheben. Die Fischwaagen wurden an besonders günstigen Standorten gebaut und kamen deshalb an allen geeigneten Plätzen zwischen Basel und Laufenburg vor. Seit jeher war der Fluss eine Nahrungsquelle für die Anlieger.

Um mit dieser Art der Fangtechnik erfolgreich sein zu können, müssen gewisse Voraussetzungen erfüllt sein: Bevor die Staustufen gebaut wurden, floss der Rhein bei Basel noch schneller als heute. Die Fische wollten sich in Ufernähe erholen und dümpelten in den Flachen Gewässern der (zum Teil künstlich angelegten) Kiesbänke, was ihnen dann zum Verhängnis wurde. Diese Kiesbänke gibt es – wegen der stärkeren Strömung auf der Grossbasler Seite – nur auf der Kleinbasler Seite. Wo die Strömung stärker war, verliess man sich wohl auf den Fischreichtum des alten Rheins und dass ganze Schwärme über dem Netz waren, bevor man es empor hievte.

Früher bogen sich die Netze der Galgenfischer noch unter dem Gewicht der Fische; heute werden sie seltener zu Wasser gelassen. Die Fische sind lange nicht mehr so zahlreich im Fluss wie damals. Die Artenvielfalt hingegen ist überraschenderweise recht konstant geblieben: Auf siebenunddreissig Arten beziffert der Biologe Daniel Küry die Fischfauna im Basler Rheinabschnitt. Das sind etwa gleich viele Arten wie zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

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In früheren Zeiten nannte man die Fischergalgen noch «Salmenwaage» oder «Fischwoog». Das Mundartwort «Woog» bedeutet soviel wie «tiefste Wasserstelle», was ein Hinweis auf den Standort dieser Angelgeräte sein könnte, nicht etwa auf eine Namensverwandtschaft mit der Waage. Die «Woogfischerei» auf Salme wurde vornehmlich während der Nacht betrieben, weniger tagsüber; es sei denn, der Rhein war leicht getrübt. Am ergiebigsten war der Fang in den Monaten Mai, Juni, Juli und September, wie dem Buch «z’ Basel an mym Rhy – Von Fähren und Fischergalgen» von Eugen A. Meier zu entnehmen ist. Der Autor hält auch fest, dass die ältesten Standorte der Salmenwaagen beim Kloster Klingental, unterhalb des Münsters und bei St.-Alban bis ins frühe 14. Jahrhundert zurückzuverfolgen sind. Ausserdem berichtet der Autor von der ersten «offiziellen» Fischerhütte, die er nachstehend kurz «Galgen» nennt:

«Die erste Erwähnung eines Fischergalgens, die wir haben finden können, datiert vom 16. November 1889. Landjäger Basler vom St.-Alban-Posten brachte seiner vorgesetzten Behörde zur Kenntnis, Fährmann Alexander Meichel-Binkert am Untern Rheinweg 58 habe am linken Rheinufer, hinter der Kerzenfabrik Weidengasse 9, eine Fischerhütte und einen Galgen mit Ständer erstellt. Der mit der Prüfung dieses ‹Tatbestands› beauftragte Kantonsingenieur Hermann Bringolf erklärte, dass eine Bewilligung für das Aufstellen von Fischergalgen auf privatem Grund und Boden nicht notwendig sei; eine Ansicht, die während Jahrzehnten Gültigkeit haben sollte. Erst der zunehmende Ausbau von Fischergalgenhütten zu wetterfesten Häuschen und schliesslich gar zu komfortablen kleinen Weekendhäusern veranlassten die Behörden, 1942 Bauvorschriften für Fischergalgen zu erlassen.»

IMG_2202Halten wir fest: Die heute bekannten Fischergalgen gibt es erst seit Ende des 19. Jahrhunderts. Das Fischerhäuschen mit Galgen ist quasi die Luxusvariante des Fischergalgens, den es als Fanggerät viel länger gibt. Die Fischerhäuschen kamen also just zu einem Zeitpunkt «in Mode», als der Lachs bereits im Begriff war, sich aus diesem Gewässer zurück zu ziehen. Gleichzeitig veränderte sich das Freizeitverhalten des städtischen Bürgertums: Hinaus, zurück zur Natur, aber mit Komfort und modernster Fischereitechnik. Das Prinzip des Fischens ist dasselbe geblieben: Eine Metallstange, an der ein quadratisches Netz mit einem Kurbelzug auf den Flussboden gelassen und wieder hochgehievt wurde, sobald sich die Fische über dem Netz befanden. Die Fischer brauchten also bloss auf ihrem Hocker – dem «Böggli» – zu warten, bis ausreichend Fische über dem Netz schwammen, um es dann hochzuziehen. Während Eugen A. Meier bei seinen Recherchen für sein Buch 1971 noch alle Besitzer eines Fischerhäuschens namentlich erwähnen durfte, machen heute die Datenschutzbestimmungen des Kantons einem solchen Anliegen einen Strich durch die Rechnung: Jeder Besitzer müsste mit seiner Unterschrift seine schriftliche Erlaubnis erteilen.

Nur den Besitzer des letzten, in Basel erbauten Fischerhäuschens unterhalb des Münsters darf man erwähnen: Moritz Suter, den Gründer der regionalen Fluggesellschaft «Crossair» und ehemaligen Manager der Swissair. Als ihm 1998 im Restaurant Kunsthalle der «Basler Stern» für seine Verdienste für die Region verliehen wurde, hat man ihm auch eine Angel überreicht. In seiner Dankesrede meinte Suter augenzwinkernd, er habe das Haus am Rhein nur gekauft, weil ihn das dazugehörige Fischerhäuschen so interessiert habe.

Wegen hoher Unterhaltskosten denkt der Kanton Basel-Stadt über eine Aufhebung der Fischergalgen an manchen Standorten nach. Dies würde aber dem Stadtbild schaden, finden Fischer und Denkmalpfleger. Geschichte in der BZ Basel vom 13. Mai 2015

Der Galgen ist Christian Trachsels Ferienwohnung und Gartenhäuschen, Geschichte in der BZ Basel vom 26.07.2014

Christian Trachsel ist Hobbyfischer. Ein Porträt in der Tageswoche vom 20.06.2013

Artikel zum Galgenfischen auf Baselinsider.

“Zander vom Basler Galgenfischer” nannte das Schweizer Fernsehen seinen Beitrag vom 14.08.2013. Hier kann man den Beitrag in vier Teilen, oder am Stück nochmals sehen.

Rainer Luginbühl

Journalist BR, Basel