Rheinschwimmen in Basel «zämme dr Bach ab»

Basler Rheinschwimmen

Der Winter duure lyt si still am Schärme, nooch by dr Fääri und ewägg vom Läärme.

Wär luegt das dunggel Grischt scho aa? Wäm gfallt s? S gseet gaar nit gluschtig uus im graue Wätter, kabutti Pfeschte, Bläch und grummi Brätter: die alti Schwimmschuel unden an der Pfalz.  

So isch s im Winter, bis derno im Maie Am blaue Himmel Wulggefaane waaie Und d Sunne wider blitzt im junge Ryy. Me het druff blangt und losst sich nit lang bitte, s kunnt Faarb und Lääbe in die alti Hitte, und mit em Winterschleeffli isch s verbyy.   Isch daas e Gspritz, e Läärmen und e Gschwaader! Jetzt sinn si wider zämme, d Schimmschuel-Baader, e Summer lang blybt kain vo iine fuurt.

Nai lueg, wie baaded wiird und gaitscht und gschwumme! Und Buebe, bruun wie Nääger, zäpfe umme; do kepflet ain, deert zappled ain am Guurt.  

Uffsmool erschyynt in allem Gschrei und Toobe Der «Ärnscht» – wär kennt en nit – am Gländer oobe; Sy Donnerwoort jagt d Bueben us em Ryy.

Er sorgt fir Rue, wenn andri ummegumpe; Sunscht nimmt er s gmietlig, suugt am schwarze Stumpe Und schmeggt am Oobe lyycht no rootem Wyy.  

Blasius, 1954 (alias Dr. Felix Burckhardt, Stadtpoet, 1906-1992)

Polizeiticker vom 11.07.2020 über das richtige Verhalten beim Baden im Rhein.

AKTUELLE INFORMATIONEN ZUM RHEINSCHWIMMEN

Nachstehend eine Karte mit den wesentlichen Punkten zum Rheinschwimmen. Quasi eine Schritt-für-Schritt-Anleitung dazu gibt es hier.


Ein beliebter Volkssport in der Stadt Basel ist das Schwimmen im Rhein. An schönen Sommertagen kühlen sich so Hunderte von Baslerinnen und Baslern im Fluss ab und lassen sich rheinabwärts treiben. rheinschwimmenEs ist heute kaum mehr vorstellbar, dass dieses Vergnügen bis ins 18. Jahrhundert verboten war. Nicht etwa, weil es damals des reissenden, noch nirgendwo gestauten Stroms wegen noch ziemlich gefährlich war, sich in die Fluten zu stürzen, sondern weil es – spätestens seit der Reformation, unter dem sittenstrengen Regime der Zünfte – unvorstellbar war, sich im Freien unbekleidet zu zeigen, genauso wie öffentlich sichtbar zum reinen Vergnügen zu baden.

In den neuen öffentlichen Badeanstalten am Rhein, den sogenannten «Rhybadhysli», wurde im 19. Jahrhundert in Unterwäsche gebadet. Die Basler Behörden verhielten gegenüber dem Baden im Rhein ausserhalb der Badeanstalten noch lange nach dem Entstehen der modernen Badekultur skeptisch bis ablehnend; erst seit Mitte der 70er-Jahre wird toleriert, dass sich Rheinschwimmer im Badeanzug auf der Strasse bewegen dürfen.

Früher haben die Leute der feinen Gesellschaft die Sonne um jeden Preis gemieden, den Bach sowieso. Einst verpönt, heute geliebt. Ein echtes Sommermärchen.

Basler Sonne auf nackter Haut: Die Geschichte einer Branche die boomt, je mehr ihre Produkte schrumpfen.

Jeden warmen Tag strömen Massen, seit übrigens gar nicht allzu vielen Jahren, an den Rhein. So leicht bekleidet wie nur möglich. Früher haben die Leute der feinen Gesellschaft die Sonne um jeden Preis gemieden, den Bach sowieso. Einst verpönt, heute geliebt. Ein echtes Sommermärchen.

Auf den Rheinuferwegen gelangen die Schwimmerinnen und Schwimmer flussaufwärts zum Ausgangspunkt der Strecke, die sie dann hinunter schwimmen. Noch heute wundern sich Touristen, wenn sie mitten in der Stadt Menschen treffen, die nur mit einer Badehose bekleidet sind. Dass sich die Zeiten längst geändert haben, beweist ein Bericht der «Basler Zeitung» aus dem Jahr 2003, nachdem sich rund 5000 Personen am organisierten Rheinschwimmen beteiligt und damit einen Teilnehmerrekord aufgestellt hatten.

Das jährliche Rheinschwimmen «zämme dr Bach ab» findet seit 1980 statt und wird jeweils von der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) organisiert. Eine kleine Gruppe unentwegter Rheinschwimmer stürzt sich in Basel übrigens beinahe täglich in die Fluten – auch im Winter. Am ehesten trifft man sie beim Rheinbad St. Johann, wenn sie sich zu Fuss flussaufwärts auf den Weg machen, oder aber man empfängt sie an gleicher Stelle nach ihrem «Schwumm».

Rhein-Vergnügen. Ausstellung Swim-City

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Das Pfalzbadhysli unterhalb des Münsters steht nicht mehr. Die Rheinbäder wurden 1961 abgerissen. Seit 1831, bzw. 1847 hatten dort Generationen von Baslerinnen und Baslern – streng nach Geschlechtern getrennt – das Schwimmen erlernt.

Auf Veranlassung der Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige GGG Basel entstand unterhalb der Pfalz eine Männerbadanstalt im Rhein. Am 23. April 1831 konnte der Bau bei Kosten von 6’273 Franken vollendet und seiner Bestimmung übergeben werden. «Gemäss den Bauvorschriften musste die Anstalt ausgepfählt seyn und durch die Überhölzer mit Ketten an die Mauer gehängt werden. An den Pfählen und längs dem Lande geht ein feststehender und über dem Sommerwasserstand erhabener Gang herum.
 
Ganz zuunterst ist der zum Auskleiden bestimmte Platz angebracht, oberhalb diesem sind amphitheatralische Stufen angebracht, welche den nicht Schwimmenden einen gefahrlosen Badeplatz darbieten. Zur Bedeckung sollen quer über dem eingezäunten Platze Seile gespannt und an diese Tücher gemacht werden.» (Eugen A. Meier) Im Jahr 1847 ermöglichte die GGG eine zweite, den Frauen vorbehaltene Badanstalt oberhalb der Münsterfähre.
 
Die Ansichtskarte zeigt den Blick zum Münsterhügel mit der Pfalzbadanstalt für Männer, um 1915. Beide Badhäuser wurden auf Beschluss des Grossen Rates vom 9. März 1961 abgerissen.
‹Erinnerungen an die Schwimmschule› verewigte das Stadtbuch 1962:

Geblieben sind das Rhybadhysli St. Johann, das 1887 eröffnet wurde und das Rheinbad Breite, das seit 1898 zum Bade lädt.

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Rheinschwimmen im Winter. Ein Porträt in der Basler Zeitung vom 10.02.2012

Rheinschwimmen im Winter. Ein Porträt in der BZ Basel vom 27.12.2016

Ob angenehme Wärme im Hochsommer oder bittere Kälte im tiefsten Winter, Markus Schneider nimmt täglich sein Bad im Rhein. Wenn der 65jährige gerade jetzt, bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt rheinabwärts schwimmt, bezeichnen ihn einige Passanten als «Verrückten». Hier das Porträt vom Schweizer Fernsehen.

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Ein guter Schwimmer sollte man sein, sich nichts an den Körper binden, nur in den vorgesehenen Bereichen bleiben, die auf Schildern der SLRG und der Kantonspolizei am Ufer verzeichnet sind. Jeden Dienstagabend begleitet die SLRG Interessierte im Rhein, um an den Sport heranzuführen. Einmal im Jahr ist das grosse Rheinschwimmen, 1980 fand das erste statt.

Lesen Sie auch: Geschichten vom Rhein

Auch die internationale Presse interessiert sich inzwischen für das Basler Rheinschwimmen. Hier zum Beispiel The Guardian in einem Artikel vom 19.08.2019

Baden gehen in Basel: Füssiges Flanieren im Rhein. Reportage im Stern 05.09.2019

Artikel im Tagespiegel vom 16.07.2019

“Basel ist bekannt für seine Chemieindustrie – für die Erholung im Rhein weniger. Dabei hat die Schweizer Stadt in den vergangenen Jahrzehnten ihren Fluss lieben gelernt.” schrieb die Zeit in einem schönen Artikel vom 11.09.2012.

Schwimmen im Rhein? Die Basler lächeln bei dieser Frage nur milde und empfehlen Skeptikern erst einmal zur Einstimmung das Rheinbad Breite auf der Grossbasler Uferseite. Dort geht es ruhiger zu als im offenen Flussgewässer. Artikel in welt.de vom 29.03.2021

Wie die Basler im Rhein schwimmen (veröffentlicht am Di, 04. Juni 2019 um 22:00 Uhr auf badische-zeitung.de)


Rheinschwimmen richtig gemacht

Wenn es heiss wird, zieht es die Baslerinnen und Basler in den Rhein. Welche Regeln dabei einzuhalten sind, erklären wir Ihnen in dieser kurzen Anleitung. BaZ 12.07.2022


Im Impressionen auf Facebook

Ab 18 Uhr wurde der Rhein für die Schifffahrt gesperrt. Zwar startete der Anlass offiziell in der Nähe der St. Alban-Fähre auf der Kleinbasler Seite – wer sich dort positionierte kam vor dem Startschuss in den Genuss einer kalten Dusche. Doch vom ganzen Ufer aus stiegen Menschen ins Wasser.  Reportage der Basler Zeitung vom 17.08.2022

https://slrg-basel.ch/basler-rheinschwimmen/

Rainer Luginbühl

Journalist BR, Basel, Love what you do and do what you love