Käppelijoch auf der Mittleren Brücke

1392, im Jahr der Vereinigung von Gross-und Kleinbasel, wurde die «Käppelijoch» genannte Kapelle auf der Brücke erneuert. Diese erhob sich auf dem fünften und somit äussersten Steinpfeiler der Brücke und war wohl zunächst aus Holz. Das neue Käppelijoch diente nicht nur der religiösen Besiegelung der Verbindung der beiden Stadtteile, sondern auch der Beschwerung des Brückenpfeilers, damit er dem Hochwasser besser standhalten konnte. Im Jahre 1457 beschloss der Rat, aus Stabilitätsgründen die Steinpfeiler um einen weiteren in Richtung Grossbasel zu erweitern. Der neue steinerne Brückenabschnitt wurde dem damaligen Bürgermeister Hans von Bärenfels zu Ehren «Bärenfelserjoch» getauft.

Das «Käppelijoch» behielt eine besondere Bedeutung, weil die Kapelle auch Schauplatz des öffentlichen Strafvollzugs war: Frauen, die des schweren Diebstahls, des Ehebruchs oder der Kuppelei für schuldig befunden worden waren, aber auch Kindsmörderinnen, wurden dort gefesselt in die Fluten des Rheins geworfen. Das blühte auch Männern, denen man Bigamie oder die Misshandlung ihrer Eltern vorwarf. Bei St. Johann, einige Hundert Meter rheinabwärts, liess man sie dann aus dem Wasser ziehen und wiederbeleben, sofern sie nicht ertrunken waren.

Die Historikerin Barbara Rettenmund schrieb:

Die letzte Frau, die vom Käppelijoch aus in den Rhein geworfen wurde, war Madlen Egerin. Sie wurde 1634 angeklagt, ihr neugeborenes Kind umgebracht zu haben. Madlen Egerin überlebte jedoch, wurde herausgefischt und aus der Stadt verbannt. Angeblich überlebten zu viele Frauen; deshalb ging man dazu über, die verurteilten Frauen zu enthaupten.

Eine andere Strafe war das Schwemmen. Sie wurde vollzogen, wenn sich die Übeltäter des wiederholten Ehebruchs, der Kuppelei oder des Kindermordes schuldig gemacht hatten. An einem Seil zog man sie dreimal unter der Brücke hindurch.

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Rainer Luginbühl

Journalist BR, Basel