Rheinschwimmen

Basler Rheinschwimmen «zämme dr Bach ab»

Basler Rheinschwimmen

Der Winter duure lyt si still am Schärme, nooch by dr Fääri und ewägg vom Läärme.

Wär luegt das dunggel Grischt scho aa? Wäm gfallt s? S gseet gaar nit gluschtig uus im graue Wätter, kabutti Pfeschte, Bläch und grummi Brätter: die alti Schwimmschuel unden an der Pfalz.  

So isch s im Winter, bis derno im Maie Am blaue Himmel Wulggefaane waaie Und d Sunne wider blitzt im junge Ryy. Me het druff blangt und losst sich nit lang bitte, s kunnt Faarb und Lääbe in die alti Hitte, und mit em Winterschleeffli isch s verbyy.   Isch daas e Gspritz, e Läärmen und e Gschwaader! Jetzt sinn si wider zämme, d Schimmschuel-Baader, e Summer lang blybt kain vo iine fuurt.

Nai lueg, wie baaded wiird und gaitscht und gschwumme! Und Buebe, bruun wie Nääger, zäpfe umme; do kepflet ain, deert zappled ain am Guurt.  

Uffsmool erschyynt in allem Gschrei und Toobe Der «Ärnscht» – wär kennt en nit – am Gländer oobe; Sy Donnerwoort jagt d Bueben us em Ryy.

Er sorgt fir Rue, wenn andri ummegumpe; Sunscht nimmt er s gmietlig, suugt am schwarze Stumpe Und schmeggt am Oobe lyycht no rootem Wyy.  

Blasius, 1954 (alias Dr. Felix Burckhardt, Stadtpoet, 1906

Nächster Termin: Basler Rheinschwimmen

Ein beliebter Volkssport in der Stadt Basel ist das Schwimmen im Rhein. An schönen Sommertagen kühlen sich so Hunderte von Baslerinnen und Baslern im Fluss ab und lassen sich rheinabwärts treiben. rheinschwimmenEs ist heute kaum mehr vorstellbar, dass dieses Vergnügen bis ins 18. Jahrhundert verboten war. Nicht etwa, weil es damals des reissenden, noch nirgendwo gestauten Stroms wegen noch ziemlich gefährlich war, sich in die Fluten zu stürzen, sondern weil es – spätestens seit der Reformation, unter dem sittenstrengen Regime der Zünfte – unvorstellbar war, sich im Freien unbekleidet zu zeigen, genauso wie öffentlich sichtbar zum reinen Vergnügen zu baden.

In den neuen öffentlichen Badeanstalten am Rhein, den sogenannten «Rhybadhysli», wurde im 19. Jahrhundert in Unterwäsche gebadet. Die Basler Behörden verhielten gegenüber dem Baden im Rhein ausserhalb der Badeanstalten noch lange nach dem Entstehen der modernen Badekultur skeptisch bis ablehnend; erst seit Mitte der 70er-Jahre wird toleriert, dass sich Rheinschwimmer im Badeanzug auf der Strasse bewegen dürfen.

Auf den Rheinuferwegen gelangen die Schwimmerinnen und Schwimmer flussaufwärts zum Ausgangspunkt der Strecke, die sie dann hinunterschwimmen. Noch heute wundern sich Touristen, wenn sie mitten in der Stadt Menschen treffen, die nur mit einer Badehose bekleidet sind. Dass sich die Zeiten längst geändert haben, beweist ein Bericht der «Basler Zeitung» aus dem Jahr 2003, nachdem sich rund 5000 Personen am organisierten Rheinschwimmen beteiligt und damit einen Teilnehmerrekord aufgestellt hatten.

Das jährliche Rheinschwimmen «zämme dr Bach ab» findet seit 1980 statt und wird jeweils von der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) organisiert. Eine kleine Gruppe unentwegter Rheinschwimmer stürzt sich in Basel übrigens beinahe täglich in die Fluten – auch im Winter. Am ehesten trifft man sie beim Rheinbad St. Johann, wenn sie sich zu Fuss flussaufwärts auf den Weg machen, oder aber man empfängt sie an gleicher Stelle nach ihrem «Schwumm».

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Alte Badeanstalt beim Münster

Alte Badeanstalt beim Münster

Das Pfalzbadhysli unterhalb des Münsters steht nicht mehr. Die Rheinbäder wurden 1961 abgerissen. Seit 1831, bzw. 1847 hatten dort Generationen von Baslerinnen und Baslern – streng nach Geschlechtern getrennt – das Schwimmen erlernt. Geblieben sind das Rhybadhysli St. Johann, das 1887 eröffnet wurde und  das Rheinbad Breite, das seit 1898 zum Bade lädt. rheinbadbreite

 

 

 

 

Rheinschwimmen im Winter. Ein Porträt in der Basler Zeitung vom 10.02.2012

Rheinschwimmen im Winter. Ein Porträt in der BZ Basel vom 27.12.2016

Ob angenehme Wärme im Hochsommer oder bittere Kälte im tiefsten Winter, Markus Schneider nimmt täglich sein Bad im Rhein. Wenn der 65jährige gerade jetzt, bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt rheinabwärts schwimmt, bezeichnen ihn einige Passanten als «Verrückten». Hier das Porträt vom Schweizer Fernsehen.

rheinschwimmen 2006 (7)“Basel ist bekannt für seine Chemieindustrie – für die Erholung im Rhein weniger. Dabei hat die Schweizer Stadt in den vergangenen Jahrzehnten ihren Fluss lieben gelernt.” schrieb die Zeit in einem schönen Artikel vom 11.09.2012.

 

Rainer Luginbühl

Journalist BR, Basel