Space Drone Salad. Gastbeitrag von PJ Wassermann

Die Entstehungsgeschichte meiner neuen CD und ein Ausblick auf die Zukunft

PSYCHOTRON – Elektronik und LSD

Als junger Mann interessierten mich neben Liebe, Sex und Politik vor allem zwei Bereiche: Elektronische Musik und psychedelische Substanzen, und diese waren 1980 die Triebfedern für die Gründung unseres Space-Sound-Studios, das ich zusammen mit meiner Partnerin Stella aufbaute. Da wir kein Kapital hatten, landeten wir schnell bei der Produktion von Jingles und Soundtracks für Industriefilme, die einzigen Gebiete, wo unser Sound beliebt war, der damals gerne als Fiep, Blubber und Zisch belächelt wurde. Alles was damals mit elektronischer Produktion zu tun hatte, war extrem teuer – heute unvorstellbar, für einen Marshall Time Modulator mit Analog-Delay und Flanging 5’000 Franken hinzublättern.

Somit mussten Auftragsproduktionen durchgezogen werden, und die psychedelischen Klang-Ambitionen reduzierten sich auf die Wochenenden. Entstanden ist 1982 dennoch die Vinylscheibe Schaltkreis Wassermann – PSYCHOTRON, die heute als Kult-Album verehrt wird und 2012 vom Berliner Label Private Records wieder auf Vinyl veröffentlicht worden ist. In Italien waren in den 80ern einige Tracks des Albums ein Renner in den Cosmic-Discos, was wir aber erst etwa 2004 erfahren haben. Selber waren wir damals mangels Verkaufseinnahmen der Meinung, das Album sei ein totaler Flop.

Hits mit Nebenfolgen

Dann kam der erste Sampling-Computer Fairlight IIx, für den wir uns tollkühn mit etwa 60’000 Franken verschuldeten. Erstaunlich, dass die Leasing-Firma das Wagnis einging, zwei Verrückten diesen Betrag vorzuschiessen. Wir machten Demos für unsere Filmkunden und behaupteten, wir könnten auch Kühe zum Singen bringen. Entstanden ist daraus der Hit „MUH!“ unter der Flagge „Matterhorn Project“. Es war erfreulich und angenehm, endlich mal etwas Geld und Anerkennung zu erhalten. Mit einem effizienten Management hätte man damit Millionen verdienen können, wie die Topfive-Platzierung in Südafrika zeigt. Doch dieser und die weiteren Charts-Erfolge mit Matterhorn Project hatten auch ihre grossen Schattenseiten: mit dem Publikum, das uns jetzt applaudierte, konnten wir wenig anfangen, unsere ursprünglichen elektronisch-psychedelischen Fans schrieen Ausverkauf, und selber erlagen wir verständlicherweise der Verlockung, mit unserer eigenen Musik unseren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Wir versuchten weitere Hits zu produzieren, aber Tracks wie „Sex“ (zeitlich deutlich vor George Michael) und „I’d love to be your Tampax now“ waren für den damaligen Mainstream dann doch zu subversiv und provokativ. Nur die Jingles und Soundtracks hielten uns am Leben.

Von der Musik zur Software und zurück

1988 kam unser Sohn Sean zur Welt, und von Jingles und Soundtracks hatte ich die Nase voll – ich empfand diese musikalische Auftragstätigkeit zunehmend als Prostitution, bei der Musik war einfach immer zuviel Herzblut dabei. Ich produzierte noch einige andere Künstler, ohne durchschlagenden Erfolg, machte noch das Goa-Album „Eternal Bliss – Pyramids“, das recht gut ankam aber auch zu wenig einspielte, und musste mir schliesslich eingestehen, dass es mit einer Familie so nicht weitergehen konnte. Schweren Herzens baute ich mir ein Standbein im Softwarebereich auf, wo ich mich mit der Zeit auf die Entwicklung von Filemaker-Datenbanken spezialisierte. Der Lebensunterhalt war gesichert, aber die Musik drohte zum Hobby zu verkommen, und Psychedelika hatten kaum mehr Platz. Dennoch produzierte ich immer weiter: zwei sehr schöne Solo-Alben von Stella Wassermann („The Palace of Yin“ und „L’Ame de la Lune“) und mein erstes Solo-Album „Triple E“. 2008 wurde meine liebe Stella mit Krebs diagnostiziert und nach drei traurigen Jahren 2011 verstarb sie, nachdem wir unter der Schaltkreis-Flagge noch ein paar bemerkenswert erfolgreiche Live-Auftritte absolviert hatten, u.a. am Synch-Festival in Athen. Noch im selben Jahr 2011 veröffentlichte ich als Eternal Bliss ein weiteres Goa/psyTrance-Album namens „Full-OM“, das ich zusammen mit meinem Sohn Sean produziert hatte und das schon länger in der Schublade gelegen hatte. Seit 2009 war ich immer wieder mal mit Eternal Bliss aufgetreten, live mit elektronischer Gitarre, meist an Goa/psyTrance-Parties.

Back to the Roots

In den letzten Jahren hatte ich öfters Rückblick gehalten und war zur Erkenntnis gelangt, dass ich zurück zu meinen Wurzeln musste. Die Gitarre, mit der ich im Alter von 14 Jahren begonnen hatte, war für mich zunehmend wieder ins Zentrum gerückt, und für die Live-Auftritte fühlte ich mich sehr viel wohler mit der Stratocaster um den Hals als mit Knöpfchendrücken auf irgendwelchen Geräten – ein DJ wollte ich definitiv nicht sein. Ich beschloss, musikalisch nur noch das zu machen, was mir Freude macht: zurzeit ein chilliger Sound mit klar trippigen Elementen, natürlich mit viel Elektronik aber auch mit Gitarren, teils handgespielter Percussion und Gesang. Die Songs auf „Space Drone Salad“ sind über die letzten Jahre entstanden – musikalisch bin ich eher ein langsamer Arbeiter, ich lasse die Stücke gerne mal ein paar Monate liegen, und wenn ich dann auf eines zurückkomme, dann ist viel klarer, was es noch daran zu tun gibt. Seit 2012 bin ich mit dem Material immer wieder mal live aufgetreten, öfters auch auf Ibiza, und das Feedback des Publikums gibt mir wertvolle Impulse zur Verbesserung der Songs. Gesamthaft fühle ich mich sehr wohl mit meiner neuen CD, ich habe das Gefühl, ich habe ein neues Kapitel eröffnet und mache jetzt endlich ohne Druck das, was ich schon immer wollte. Live habe ich meistens Asteriza dabei (www.asteriza.com), die mit ihren stimmungsvollen Visuals die Multimedia-Dimension hinzufügt, die mich schon immer angesprochen hat.

Und raus auf die Bühnen

Für die Zukunft habe ich viel vor: ich will das Schaltkreis-Live-Repertoire der letzten Jahre aufarbeiten mit Stellas Vocals, die ich bei den Auftritten aufgenommen habe, und daraus eine CD „In Memoriam of Stella Wassermann“ machen. Vielleicht gibt es auch ein neues Vintage-Schaltkreis-Album, zwar mit völlig neuen Songs, aber mit den alten Instrumenten. Für mein drittes Solo-Album habe ich schon wieder eine ganze Menge Material. Meine gesanglichen Fähigkeiten will ich weiterentwickeln, ebenso meine Skills als Songtexter. Seit ein paar Jahren spiele ich wieder die Nylonsaiten-Gitarre, Samba und Bossanova faszinieren mich mit ihren wunderbar komplexen Harmonien und Melodiefolgen. Vor allem will ich live unterwegs sein, am liebsten mal ein paar Jahre nomadisch auf den Bühnen dieser Welt herumziehen. Selber bin ich wohl am meisten gespannt auf alles, was da noch kommt…

Webseite von PJ Wassermann englisch und deutsch.

Hier kann man die CD kaufen.

Weitere Details zur Biografie von PJ Wassermann auf seinem Blog.

 

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Rainer Luginbühl

Journalist BR, Basel