Zur Festschrift: «Kleinbasel und der Humor in der Therapie» Gastbeitrag von Enrico Luisoni

Kleinbasel und der Humor in der Therapie

Kleinbasel und der Humor in der Therapie

René Schweizer ist gestorben. Ein Nachruf in der Basellandschaftlichen Zeitung vom 15.06.2015 und in der TagesWoche vom 16.06.2015

Der Therapeutische Humor und die Basler «Webstübler»*

*Webstübler wurden früher in Basel die Patienten der Milchsuppe genannt, einer offenen psychiatrischen Einrichtung zur Betreuung von Menschen mit leichten psychischen und physischen Behinderungen wie z.B.dem  Down-Syndrom. Sie verbrachten ihre Arbeitstherapietage dazumal meistens an Webstühlen … er waren also die ersten Web-Master!

1996 treffe ich René Schweizer in seiner Stammbeiz, dem «zum alte Schluuch» im Kleinbasel. Wir kannten uns schon lange, sahen uns aber nur sporadisch … die Treffen waren aber immer geistreich und humorvoll – mit einigen philosophischen Flachsereien. Wie auch das erste Mal, als er einen gemeinsamen Freund in meiner Wohngemeinschaft besuchte und sie sich über das immer wiederkehrende, relativitätstheoretische Thema unterhielten: «Was ist wo, wenn nichts nirgends ist?» René hatte 1977, 1982 und 1993 schon einige Bücher seiner Nonsense-Briefe an Ämter und Institutionen veröffentlicht.

Nun, René sprach mich also darauf an, ob ich ihm helfen könnte, die Website, die schon rudimentär online war, für den Kongress «Humor in der Therapie» in der Messe Basel im Oktober zu optimieren. Sie war unter der Internet-URL www.humor.ch von Peter Rettenmund aufgegleist und online gestellt worden. Irgendwann wurde sich dieser Webmaster aber bewusst, dass vorerst mit dem Engagement für das Thema des «Therapeutischen Humors» kurzfristig kein Geld zu verdienen war. Somit wurde die Website von ihm nicht gross bewirtschaftet und auch keine aktuellen Inhalte mehr eingepflegt.

Ich hatte im Frühjahr meine eigene Werbeagentur «baseline.» gegründet und war eigentlich noch nicht in der Situation, mit meiner jungen Firma als Sponsor aufzutreten. Nichtsdestotrotz hat mich das Thema unglaublich interessiert und motiviert, sodass ich meinen Geschäftspartner dazu überreden konnte, uns als Firma für dieses Projekt zu engagieren, und z.B. die Website richtig auszubauen. Wir haben dann doch auch noch externe Sponsoren, wie z.B. Eric Sarasin von der Bank Sarasin & Cie. Basel, für das Projekt gewinnen können.

Nebst der Website, die durch die mit dem Kongress verbundene gute Zusammenarbeit mit Mario Neuhaus vom Kongresszentrum der Messe Basel immer mehr mit aktuellen Inhalten und einem Anmeldeformular für die Kongressteilnahme bestückt werden konnte, produzierten wir ein HumorMagazin, die «Null-Nummer».

(Hier alle Humormagazine).

Für die Form und Gestaltung dieser Broschüre hatte mich das Nullosophie-Konzept von René Schweizer inspiriert: «Die umgekehrte Null» (s. Abb.).

Wir haben zu jedem Kongress nebst dem Kongressprogrammheft der Messe Basel ein HumorMagazin produziert und dank meinem Humorpartner, dem Radiomoderator und Medienprofi Rainer Luginbühl, der die Redaktion übernahm, für das «RegioAktuell», einem monatlich erscheinenden Basler Lokalmagazin, ein Jahr lang kostenlos eine Doppelseite unter dem Namen «www.humor.ch» veröffentlichen können – mit lustigen Inhalten, aber auch mit Mitteilungen zum «Humor in der Therapie».

Schliesslich hat er auch noch eine Reihe von Artikeln zur Gelotologie, den ClinicClowns, Lachclubs, dem Therapeutischen Humor und zu den Humor-Kongressen auf Wikipedia angestossen und so einen weiteren Beitrag geleistet zur Verbreitung dieses Themengebiets.

humor.ch wurde gegründet, um dem Lachen eine Adresse im Internet zu geben.

1998 konnten wir dem ursprünglichen Besitzer die Website-URL www.humor.ch abkaufen und den Verein humor.ch gründen.

1999: Amtsmüdigkeit unseres grossen Impressarios René Schweizer – ohne seine humorvoll-anarchistischen Gedankengänge wären wir wohl alle in der «Milchsuppe» (s. oben) gelandet. Er tritt leider vor dem fünften und letzten Kongress (2000) als Präsident zurück. Er wird uns aber glücklicherweise als Ehrenpräsident und Nullosoph ewig erhalten bleiben!

2001 stellten wir dann den Verein humor.ch auf neue Füsse, mit Roger Thiriet, einem erfahrenen Medienmann als Präsidenten, ich als Vize-Präsident und Rainer Luginbühl, der inzwischen auch als Linkredaktor für die Website wirkte, als Witze-Präsident … wir haben dann sogar für all unsere Mitglieder einen Ausweis drucken lassen.

Ganz wichtige Personen waren und sind immer noch unsere wissenschaftlichen Experten, Dr. Michael Titze und Dr. Peter Hain, beides Psychologen. Sie beide garantierten dank ihres hervorragenden Netzwerkes und der Internationalität der Referenten für die Seriosität aller fünf Kongresse von 1996 bis 2000.

Während den 5 Kongressjahren gab es einige Highlights zu verzeichnen, u.a.:

Unser Meeting 1999 in Zürich mit dem originalen Patch Adams, dessen Geschichte im Film «Patch Adams», mit Robin Williams in der Hauptrolle, erzählt wird und dessen Filmpremiere von humor.ch in einem Kino in Basel mitveranstaltet werden konnte: www.humor.ch/patch/mainpatch.htm.

Oder die monatlichen Newsletters von Paul McGhee, die wir von ihm, perfekt getimed wie eine Schweizer Uhr, immer rechtzeitig zum Monatsende erhielten und rechtzeitig online stellen oder versenden konnten.

Viel zu verdanken haben wir auch Roger Thiriet, der u.a. die Federführung bei der Veranstaltung mit der UBS zugunsten der Stiftung Theodora, das «Entlirennen» vom 29. September 2000 im Rhein zu Basel, innehatte:

«Entlirennen» auf dem Rhein»

Am 29.09.2000 titelte die Basler Zeitung: «Gelbe Entli auf Schwimmtour». Das erste (und bisher einzige) Basler «Entlirennen» auf dem Rhein wurde am späten Nachmittag bei besten Wetterbedingungen zum grossen Plausch für Kinder von 7 bis 87 Jahren. Tausende von Plastikenten wurden von einem Lastwagen von der Mittleren Brücke in den Rhein gekippt und schwammen unter dem Applaus des Publikums bis zur Johanniterbrücke, wo sie wieder aus den Fluten gefischt wurden. Im Vorfeld dieses Rennens konnte man für jeweils für fünf Franken ein (oder auch mehrere) Entli kaufen und es, mit einer Startnummer versehen, ins Rennen schicken. Der Reinerlös der Aktion ging an die Stiftung Theodora, die damit den Einsatz von sogenannten Clowndoktoren oder auch «Mediclowns» in Kinderspitälern finanziert. Den kleinen Patienten vermitteln die Clowns dank ihren Auftritten Kraft und Energie und machen so ihren Spitalaufenthalt etwas erträglicher.

Für den «Geleitschutz» der Entli auf dem Rhein waren übrigens die Boote von Basels Wasserfahrvereinen – Rhenania, Horburg, Rhein-Club Basel und Rhywälle – sowie das Polizeiboot «Basilea» besorgt. Der Anlass schaffte es im darauffolgenden Jahr sogar zum oft ausgespielten Sujet der Basler Fasnacht 2001.

Ein weiterer Höhepunkt war natürlich auch die Teilnahme des Begründers der Lachclubs Dr. Madan Kataria aus Indien (www.laughteryoga.org) am 5. und letzten Kongress «Humor in der Therapie» im Jahr 2000 in Basel. (Das Kongresszentrum der Messe Basel wurde danach leider zum Profitcenter umfunktioniert und konnte somit den Humor-Kongress nicht mehr mitveranstalten. Das hiess für uns, dass wir es uns finanziell nicht mehr leisten konnten, einen weiteren Kongress abzuhalten, da wir alle Räume und das ganze Backoffice hätten voll bezahlen müssen. Somit mussten wir die Kongressreihe in Basel leider beenden.)

Es gab dann die Nachfolgeprojekte in Deutschland und der Schweiz: Zwei Kongresse am Hospitalhof in Stuttgart, in Bad Zurzach sowie in Thun mit «T(h)un Sie lachen». Alle drei konnten sich aber als Veranstaltungsorte nicht durchsetzen. Im Moment (Frühjahr 2013) wird wieder ein Anlauf unternommen, in Basel einen Humor-Kongress zu veranstalten und auch zu konsolidieren.

Hier der Link zur gesamten Basler Kongressgeschichte:

www.humor.ch/kongress/mainkongmedien.htm

Interessant ist auch, welche Institutionen mittlerweile aus der Humorkongress-Initiative entstanden sind:

  • HumorCare Schweiz, die Gesellschaft für Humor in Therapie, Pflege und Beratung (heute HumorCare: www.humorcare.ch) mit ihrem engagierten Präsidenten Beat Hänni, den anderen 4 Vorstandsmitgliedern und allen ca. 145 Mitgliedern (Stand Dezember 2012), die den heilsamen Humor in Beruf und Alltag einsetzen (s. Link «Netzwerk» auf der Website).
  • Ein Projekt von HumorCare: «Glücksmomente – Humor kennt kein Alter!». Nachhaltige Förderung von Humor in Alters- und Pflegeheimen. Humor gilt in der Forschung der Positiven Psychologie als Charakterstärke, die zur Lebenszufriedenheit eines Menschen beiträgt. Diese günstige Wirkung zeigt sich auch bei älteren Menschen. Eine Studie belegt die Effektivität der Humortherapie bei älteren Menschen mit Depression; demente ältere Menschen reagieren ebenfalls positiv auf spezialisierte CareClowns und zeigen weniger Verhaltensauffälligkeiten. Angestrebt wird eine Zertifizierung von CliniClowns.
  • Die Schwesterorganisationen HumorCare Deutschland und Österreich (www.humorcare.com).
  • Die Schweizerische «Stiftung Humor & Gesundheit» in Basel, Präsidentin: Iren Bischofberger Lerch, (www.stiftung-humor-und-gesundheit.ch). Die Stiftung unterstützt Humorprojekte im therapeutischen Bereich, wie z.B.:
  • Die «Huusglön», eine Organisation mit Therapie-Clowns, die Familien mit Angehörigen mit Behinderung zu Hause kostenlos besuchen (www.huusgloen.ch).
  • Und im Allgemeinen der Einfluss auf die Clownausbildung, die mittlerweile ihren Focus auf die Ausbildung als zertifizierte ClinicClowns gerichtet hat wie z.B. die Clown-Akademie Tamala, internationale Schule für Clowns, Humor und Kommunikation (www.tamala-center.de). Oder der Einfluss auf Clowns, die sich in ihrer Arbeit dem therapeutischen Bereich des Humor zugewandt haben, wie z.B. Pello (www.pello.ch) und nicht zu vergessen: Eckhardt von Hirschhausen, der mit seinen Büchern, Fernsehsendungen, seiner Website (www.hirschhausen.com) und seiner Stiftung «HHH – Humor Hilft Heilen» in Deutschland für die therapeutische Anwendung von Humor Interesse weckte und in der aufkommenden Spassgesellschaft Sinn stiftete. Auch schrieb er in einem seiner ersten Bücher, auf die Frage hin, welche Website er am liebsten besuche: seine Lieblingswebsite sei www.humor.ch. Dann sind wir also beim Kabarett gelandet, wo auch Exponenten wie Emil Herzog oder Bernhard Ludwig für ihre Kabarettprogramme den therapeutischen Ansatz des Humors entdeckten.
  • Aber auch das steigende Interesse der Medien und der Wissenschaft an diesem Thema ist prägnant: Der beste Beweis sind die Humorstudien und das Engagement des vorher gegenüber der Behauptung, Lachen könne das menschliche Befinden verbessern, kritisch eingestellten Prof. Dr. Willibald Ruch, Humorforscher an der ETH Zürich. Und im praktischen Bereich: die vielen Leiter von Alten- und Pflegeheimen, die mittlerweile davon überzeugt sind, dass sich, dank dem Einsatz von gut ausgebildeten CliniClowns und ihrer Humorarbeit das Klima für die Heimbewohner und auch das Arbeitsklima für das Pflegepersonal in ihren Institutionen stark verbessert hat.

 

Im 2004 haben wir dann aber den Verein humor.ch aufgelöst, seither betreue ich die Website www.humor.ch weiter, aber nicht mehr so intensiv wie all die Jahre zuvor. Sie wird immer noch u.a. von vielen Studierenden des Pflegebereiches konsultiert und als Informationsquelle genutzt.

Ich bin gespannt und hoffe, dass es wieder einen neuen Schub für den «Therapeutischen Humor», und zwar nicht nur im Kleinbasel, geben wird … denn, wie Beat Hänni der Präsident von HumorCare gesagt hat: «Humor kennt kein Alter!» – er ist also zeitlos – womit ich wieder «relativ» am Anfang, bei meinem dritten Satz, angelangt bin.

Enrico Luisoni

www.humor.ch und www.arttape.ch

Lesen Sie dazu auch den Artikel auf der Seite Projekte:

Enrico Luisoni ist selbständiger visueller Gestalter, Webmaster und Künstler.

Hier ein Porträt über Rico in der Basler Zeitung:

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Rainer Luginbühl

Journalist BR, Basel