Kraftwerk Birsfelden

Basel & Rhein · aktualisiert im September 2026
Kraftwerk Birsfelden: Wo der Rhein arbeitet
Das Kraftwerk produziert Strom, hält die Schifffahrt offen und verbindet zwei Ufer. Es ist Maschine, Brücke und Landschaftsarchitektur zugleich.

«Vom Wasser haben wir’s gelernt,
Johann Ludwig Wilhelm Müller (1794–1827), aus «Das Wandern»
vom Wasser!
Das hat nicht Rast bei Tag und Nacht,
ist stets auf Wanderschaft bedacht,
das Wasser.»
Bei Rheinkilometer 163,83 wird aus der Strömung elektrische Energie. Das Kraftwerk Birsfelden ist das zwölfte Rheinkraftwerk zwischen dem Bodensee und der Landesgrenze bei Basel. Die Betreiberin bezeichnet es als grösstes Schweizer Laufwasserkraftwerk.
Seit 1954 arbeiten hier vier Kaplanturbinen. Zusammen erreichen sie eine maximale Leistung von 100 Megawatt. Im langjährigen Mittel produziert die Anlage rund 565 Gigawattstunden Strom pro Jahr – nach Angaben der Kraftwerk Birsfelden AG etwa 17 Prozent des Stromverbrauchs der Grossregion Basel.
Die Geschichte
Vom ersten Projekt bis zur Inbetriebnahme verging mehr als ein halbes Jahrhundert. Strombedarf, Wirtschaftslage und Krieg bestimmten das Tempo.
Die ersten Projekte
Mehrere Unternehmergruppen untersuchen den Bau eines Kraftwerks bei Birsfelden. Zunächst fehlt der Region der Bedarf an zusätzlicher elektrischer Energie. Später verhindern die wirtschaftlichen Verhältnisse die Umsetzung.
Der Brennstoffmangel beschleunigt die Planung
Während des Zweiten Weltkriegs steigt die Nachfrage nach Strom stark. Basel-Stadt und Basel-Landschaft legen den schweizerischen und badischen Behörden ein gemeinsames Projekt vor.
Konzession und Gründung
Nach langen Verhandlungen wird die Konzession erteilt. Am 29. August beschliessen die beiden Basel zusammen mit Elektra Baselland und Elektra Birseck die Gründung der Kraftwerk Birsfelden AG.
Der Rhein wird zur Baustelle
Kraftwerk, Wehr, Schleusen und Insel entstehen als zusammenhängende Anlage. 1954 nimmt das Werk den Betrieb auf. Die Stromproduktion und die Schifffahrt müssen fortan denselben Fluss teilen.
Die Maschinen werden modernisiert
Die vier Turbinen werden technisch überholt. Verbesserte Laufräder und eine erneuerte Steuerung steigern die Leistung, ohne ein neues Kraftwerk in den Rhein zu stellen.
Die bestehende Konzession läuft aus
Der geltende Wasserrechtsvertrag endet am 15. Januar 2034. Damit rückt die Frage näher, wie Stromproduktion, Schifffahrt, Denkmalschutz und Ökologie für die nächsten Jahrzehnte verbunden werden.
Wie der Rhein Strom erzeugt
Das Laufwasserkraftwerk nutzt eine grosse Wassermenge bei geringer Fallhöhe. Hinter der ruhigen Oberfläche arbeitet schwere Mechanik.
Das Herzstück der Stromerzeugung liegt tief im Flussbett verborgen: Vier Kaplanturbinen wandeln die Kraft der Strömung um. Jede dieser Maschinen wiegt mehrere hundert Tonnen. Mit ihren verstellbaren Schaufeln passen sie sich laufend der aktuellen Abflussmenge des Rheins an und drehen sich mit gemächlichen, aber kraftvollen 68 Umdrehungen pro Minute.
Den Wasserstand reguliert das mächtige Wehr mit seinen fünf Öffnungen von jeweils 27 Metern lichter Weite. Grosse Stahlschütze stauen den Fluss und halten das Oberwasser möglichst stabil auf Niveau. Was dem Betrachter von aussen sofort ins Auge fällt, sind die sechs Windwerkhäuschen: Diese schlanken, über den Wehrpfeilern aufragenden Türme beherbergen die Seilwinden und Hebevorrichtungen, um die tonnenschweren Wehrverschlüsse millimetergenau zu steuern. Sie geben dem Wehr über die gesamte Breite sein unverwechselbares Gesicht.
Ein Laufwasserkraftwerk speichert kaum Wasser. Es verarbeitet, was der Rhein gerade führt. Bei Hochwasser steht mehr Wasser zur Verfügung, als die Turbinen nutzen können. Bei Niedrigwasser sinkt die Produktion.
Die Schleusen halten den Weg frei
Das Kraftwerk durfte nur gebaut werden, wenn gleichzeitig die Schifffahrt oberhalb Basels gesichert wurde.
Die Nordschleuse ist 180 Meter, die Südschleuse 190 Meter lang. Beide Kammern sind zwölf Meter breit. Ein vollständiger Schleusenvorgang dauert ungefähr zwanzig Minuten. Während dieser Zeit wird das Schiff auf den Wasserstand oberhalb oder unterhalb des Kraftwerks gehoben beziehungsweise abgesenkt.
Die Kraftwerk Birsfelden AG trägt die Kosten für den Unterhalt der eingestauten Schifffahrtsanlagen. So bleibt der Rhein zwischen Basel und Augst als Verkehrsweg offen – eine nautisch anspruchsvolle Strecke, wie sich immer wieder bei heiklen Manövern und Strömungsverhältnissen zeigt (etwa bei der Havarie der «MS Corona»). Für Spaziergänger ist die Schleuse zugleich ein langsames Freilufttheater: Tore schliessen sich, Wasser steigt, ein Frachtschiff hebt sich beinahe unmerklich.
Technik als Landschaft
Hans Hofmann wollte keine schwere Industriebarriere quer zum Rhein. Das Kraftwerk sollte Teil eines neu gestalteten Landschaftsraums werden.
Der Zürcher Architekt Hans Hofmann arbeitete bereits von 1942 bis 1947 als Gutachter und Vertrauensmann der Schweizerischen Vereinigung für Heimatschutz an der Planung mit. 1951 erhielt er zusammen mit dem Architekturbüro Bercher & Zimmer und Stadtgärtner R. Arioli den Auftrag für die Hochbauten und die landschaftliche Gestaltung.
Die technische Anlage gab Dimensionen und Lage weitgehend vor. Hofmann antwortete mit einer längsseitig verglasten Maschinenhalle, gegabelten Stützen und einer zurückhaltenden Farbgebung. Die Stützen verglich er mit Bäumen. Der Bau sollte leicht wirken, obwohl darin Maschinen von mehreren hundert Tonnen arbeiten.
Der Entwurf wurde zu einem bedeutenden Beispiel der Nachkriegsmoderne in der Region Basel. Kraftwerk, Insel, Wege und Bepflanzung gehören zum selben gestalterischen Gedanken.
Der Fluss bleibt ein Lebensraum
Das Wehr erzeugt erneuerbare Energie und unterbricht zugleich den natürlichen Flusslauf. Diese beiden Tatsachen gehören zusammen.
Seit der Inbetriebnahme verfügt das Kraftwerk über eine Fischtreppe. Je nach Unterwasserpegel umfasst sie bis zu 52 aufeinanderfolgende Kammern. Bodenöffnungen und Überläufe schaffen einen Weg, auf dem Fische den Höhenunterschied überwinden können.
Kontrollfänge zeigen, welche Arten die Anlage nutzen. Häufig registriert wurden unter anderem Barben, Rotaugen, Brachsen und Alet. Die Fischtreppe mildert den Eingriff, sie hebt ihn jedoch nicht auf. Flussverbauungen und Wehre veränderten die Fischwanderung am Hochrhein nachhaltig – eine Zäsur, die auch das traditionelle Fischereihandwerk prägte, wie die Geschichte der Basler Fischergalgen und das Verschwinden der Lachszüge verdeutlichen.
Zur Anlage gehören ausserdem ein Biotop südlich der Schleusen und eine Bibertreppe. Rund um das Kraftwerk führt eine frei zugängliche Ausstellung mit zwölf Tafeln durch die Themen Strom, Schleusen, Tiere und Pflanzen.

Das Kraftwerk heute
Die Anlage läuft rund um die Uhr und weitgehend automatisiert. Ihre Eigentumsverhältnisse spiegeln die regionale Bedeutung des Werks.
50 Prozent IWB
Die Industriellen Werke Basel halten die Hälfte der Aktien und beziehen entsprechend einen grossen Teil der produzierten Energie.
25 Prozent Basel-Landschaft
Der Standortkanton ist direkt beteiligt und zugleich mit der künftigen Konzession eng verbunden.
EBL und Primeo Energie
EBL hält 10 Prozent, Primeo Energie – früher Elektra Birseck – 15 Prozent der Kraftwerk Birsfelden AG.
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Mehr vom Basler Rhein
Kraftwerk, Schifffahrt und Uferlandschaft nutzen denselben Fluss. Erkundungen aus dem Dossier «uferlos» auf ralu.ch:



