Herzog & de Meuron

Am Rhein steht ein Haus, das Basels Architekturgeschichte mit der Gegenwart verbindet. Es gehört zu Herzog & de Meuron – jenem Basler Büro, dessen Bauten längst weltweit bekannt sind.
Ein Basler Büro mit weltweiter Ausstrahlung
Ob Jacques Herzog und Pierre de Meuron schon im Sandkasten gemeinsam Häuser bauten, ist nicht überliefert. Sicher ist: Die beiden kennen sich seit ihrer Schulzeit und gründeten 1978 ihr Architekturbüro in Basel. Von hier aus entwickelten sie eine Architektur, die international Aufmerksamkeit erregte und gleichzeitig eng mit ihrer Heimatstadt verbunden blieb.
Herzog & de Meuron haben Basel nicht nur einzelne Gebäude geschenkt. Ihre Projekte prägen das Bild der Stadt, beeinflussen Debatten über Stadtentwicklung und zeigen, wie Architektur mit Kunst, Industrie, Forschung und öffentlichem Leben verbunden werden kann. Basel erscheint dadurch weltweit als Stadt, in der Architektur nicht bloss Kulisse, sondern Teil der kulturellen Identität ist.
Basel als gebautes Arbeitsfeld
In Basel und der näheren Umgebung haben Herzog & de Meuron zahlreiche Spuren hinterlassen. Zu den bekannten Projekten gehören:
- das Zentralstellwerk im Rangierbahnhof;
- der St.-Jakob-Park;
- das Schaulager in Münchenstein;
- die kantonale Apotheke;
- das Meret-Oppenheim-Hochhaus;
- die Roche-Türme am Grossbasler Rheinufer.
Der Roche-Turm Bau 1 war lange Zeit das weithin sichtbare Zeichen dieser Entwicklung. Inzwischen ist auch Bau 2 fertiggestellt. Zusammen bilden die beiden Türme ein neues Wahrzeichen der Basler Stadtsilhouette.
Das Haus am Rhein
Am Grossbasler Rheinufer befindet sich an der Rheinschanze 6 der langjährige Campus von Herzog & de Meuron. Das «Haus am Rhein» ist kein repräsentativer Solitär, der sich von seiner Umgebung abschottet. Es ist ein Arbeitsort, der mit dem Fluss, dem Quartier und der Stadt in Beziehung tritt.
Vom Wasser aus wirkt das Gebäude zugleich zurückhaltend und eigenwillig. Die Fassade, die Nähe zum Rhein und die Einbettung in den Stadtraum machen sichtbar, dass Architektur hier nicht nur von innen nach aussen gedacht wird. Der Blick auf den Fluss gehört zum Arbeitsalltag – und damit auch ein Stück Basel.
Die neue Zentrale am Dreispitz
Inzwischen ist ein zweiter wichtiger Standort dazugekommen: An der Mailand-Strasse 28 im Dreispitz befindet sich heute das Main Office von Herzog & de Meuron. Im neuen Gebäude arbeiten mehr als 300 Menschen unter einem Dach. Der Dreispitz ist damit zu einem wichtigen Teil des täglichen Arbeits- und Lebensraums des Büros geworden.
Die beiden Standorte stehen nicht in Konkurrenz zueinander. Die Rheinschanze bleibt als Campus am Fluss aktiv, während der Dreispitz zusätzliche Fläche und neue Möglichkeiten für Zusammenarbeit bietet. Hier treffen zwei sehr unterschiedliche Basler Stadträume aufeinander: dort das Rheinufer mit seiner Geschichte und seinem öffentlichen Leben, hier ein von Industrie, Gewerbe, Kultur und Umnutzung geprägtes Entwicklungsgebiet.
Architektur als Ausstrahlung für die Stadt
Die Bedeutung von Herzog & de Meuron für Basel lässt sich deshalb nicht allein an der Zahl ihrer Gebäude messen. Das Büro bringt internationale Aufmerksamkeit in die Stadt, schafft Arbeitsplätze und zieht Fachleute, Studierende und Architekturinteressierte an. Seine Projekte machen Basel weltweit sichtbar – und sie regen immer wieder dazu an, über die Zukunft der Stadt nachzudenken.
Diese Ausstrahlung ist nicht nur ein Vorteil für den Standort, sondern auch eine Verpflichtung. Jedes neue Gebäude verändert einen bestehenden Ort. Es muss sich gegenüber Geschichte, Nachbarschaft, Verkehr und öffentlichem Raum behaupten. Gerade deshalb gehören Zustimmung, Kritik und Diskussion zur Wirkung dieses Büros in Basel dazu.
Von Basel in die Welt
International bekannt wurden Herzog & de Meuron unter anderem durch den Umbau der Tate Modern in London, die Allianz Arena in München und das Nationalstadion in Peking. Für ihre Arbeit erhielten sie 2001 den renommierten Pritzker-Preis. Trotzdem blieb Basel der Ausgangspunkt ihrer Arbeit und bis heute ein wichtiges architektonisches Versuchsfeld.
Wer am Rhein an ihrem Basler Campus vorbeikommt oder im Dreispitz die neue Zentrale sieht, begegnet deshalb nicht nur einem Architekturbüro. Er begegnet einem Stück Stadtgeschichte – und einer Stadt, die durch ihre Architektinnen und Architekten weit über ihre Grenzen hinaus wirkt.
Weiterführende Links
- Roche-Turm Bau 1: Xylophon mit Fritz Hauser – ein Beitrag über das markante Hochhaus am Basler Rheinufer.
- Die Basler Rheinhäfen – Industrie, Handel und Stadtentwicklung am Rhein.
- uferlos: Basel und der Rhein – weitere Beobachtungen zur Stadt und ihrem Fluss.
- Herzog & de Meuron: Büros in Basel – die offiziellen Angaben zu Rheinschanze und Dreispitz.
- 510 Mailandstrasse – das offizielle Projekt zur neuen Zentrale im Dreispitz.
