Museum Jean Tinguely

Jean Tinguely wurde in Fribourg geboren. Zum Sohn der Stadt wurde er in Basel. Hier wuchs er auf, besuchte die Kunstgewerbeschule, arbeitete als Dekorateur und entdeckte jene Mischung aus Bewegung, Lärm, Witz und mechanischem Eigensinn, die seine Kunst später weltberühmt machen sollte.
Ein Sohn der Stadt
Jean Charles Tinguely kam am 22. Mai 1925 in Fribourg zur Welt. Bereits wenige Monate später zog seine Mutter mit ihm nach Basel. Aufgewachsen ist Tinguely im Gundeldinger-Quartier hinter dem Centralbahnhof. Zu Hause wurde Französisch gesprochen, draussen lernte er jene Stadt kennen, die später zu einem wichtigen Bezugspunkt seines Lebens und seiner Kunst werden sollte.
1941 begann Tinguely eine Lehre als Dekorateur. Nach einem schwierigen Start schloss er seine Ausbildung 1944 bei einem unabhängigen Dekorateur ab. Gleichzeitig besuchte er die Kunstgewerbeschule Basel. Dort begegnete er der modernen Kunst und lernte unter anderem Eva Aeppli kennen, die später seine erste Ehefrau und eine bedeutende Künstlerin werden sollte.
Auch die Basler Fasnacht prägte ihn. Tinguely liebte ihre Geräusche, ihre Figuren, ihre selbstgebauten Konstruktionen und ihren respektlosen Blick auf die etablierte Ordnung. Vieles, was später in seinen Maschinen wieder auftauchte, war hier bereits angelegt: Bewegung, Krach, Ironie und die Lust, aus scheinbar wertlosem Material etwas Eigenes zu bauen.
Vom «Jeannot» zum internationalen Künstler
In Basel nannten ihn seine Freunde «Jeannot». International wurde Jean Tinguely als einer der wichtigsten Vertreter der kinetischen Kunst bekannt. Seine Werke bewegen sich, rattern, quietschen, drehen sich und geraten gelegentlich an den Rand des kontrollierten Zusammenbruchs.
Tinguely interessierte sich für Maschinen, ihre Funktionen und ihre Geräusche. Zugleich misstraute er dem Versprechen, dass Technik alles präziser, schneller und vernünftiger machen müsse. Seine Kunst liess Maschinen stolpern, scheitern und sich selbst widersprechen. Das Ergebnis war oft komisch. Darunter lag eine ernsthafte Frage: Was bleibt vom Fortschritt, wenn die Maschine plötzlich ihr eigenes absurdes Leben beginnt?
Der Tinguelybrunnen: Kunst für alle
Wirklich jedem Basler ein Begriff wurde Tinguely spätestens durch den Brunnen vor dem Theater Basel. Offiziell heisst das Werk Fasnachtsbrunnen, im Alltag sagen fast alle «Tinguelybrunnen».
Neun schwarze Figuren bewegen sich im Wasser. Sie spritzen, drehen sich und antworten einander mit mechanischer Beharrlichkeit. Der Brunnen ist kein stilles Denkmal. Er ist laut, nass, eigenwillig und mitten im Alltag der Stadt angekommen. Kinder beobachten ihn, Passanten bleiben stehen, Touristen fotografieren ihn. Tinguelys Kunst muss hier niemand erklären. Sie tut einfach etwas.
Das ist vielleicht Tinguelys grösste Basler Leistung: Er brachte moderne Kunst aus den geschlossenen Räumen der Museen hinaus auf den Platz. Der Brunnen gehört niemandem allein. Er gehört der Stadt.
Das Museum am Rhein
Viele weitere Werke Tinguelys und Arbeiten seiner Künstlerfreunde sind heute im Museum Tinguely zu sehen. Das Haus steht im Solitude-Park direkt am Rhein und wurde vom Tessiner Architekten Mario Botta entworfen. Das Museum öffnete 1996 seine Türen.
Die Lage am Fluss ist mehr als eine schöne Adresse. Botta plante das Gebäude als räumliche Verbindung zwischen Stadt, Park und Rhein. Auf der Südseite führt eine erhöhte Promenade am Gebäude entlang und lenkt den Blick auf den Fluss. Die Architektur gibt den Maschinen Raum, ohne sie zu beruhigen.
Das Museum entstand als Geschenk der F. Hoffmann-La Roche AG an die Stadt und die Region Basel. Anlass war das hundertjährige Bestehen des Unternehmens. Heute beherbergt es eine der bedeutendsten Sammlungen von Tinguelys Werken und zeigt daneben Ausstellungen zu seinen Künstlerfreunden, Zeitgenossen und Nachwirkungen.
Meine persönliche Verbindung: Tinguely auf einem CD-Cover
Meine persönlichste Verbindung zu Jean Tinguely entstand nicht im Museum und auch nicht vor dem Fasnachtsbrunnen, sondern über Musik. Für meinen Sampler «-tis is it!», eine Zusammenstellung von Bands aus dem legendären Basler «Atlantis», gestaltete Tinguely das CD-Cover.
Wie es dazu kam, erzähle ich in meiner persönlichen Geschichte:
Jean Tinguely und das CD-Cover für «-tis is it!»
Damit schliesst sich ein Kreis. Ein Basler Künstler, der Maschinen zum Tanzen brachte, begegnet einer Basler Musikgeschichte auf dem Cover einer CD. Tinguely war international erfolgreich. Basel blieb trotzdem in seiner Arbeit hör- und sichtbar.
Warum Tinguely zu Basel gehört
Jean Tinguely war kein Heimatkünstler im engen Sinn. Dafür war sein Werk zu international, zu beweglich und zu widerspenstig. Trotzdem blieb Basel ein wichtiger Resonanzraum: die Fasnacht, die Werkstätten, die Kunstgewerbeschule, die Schaufenster, die Freunde und die Stadt mit ihrem Sinn für Ordnung – gegen den seine Maschinen so wunderbar anlärmten.
Wer heute am Fasnachtsbrunnen steht oder am Rhein vor dem Museum Tinguely spaziert, begegnet deshalb keinem abgeschlossenen Kapitel. Die Maschinen bewegen sich weiter. Und Basel erkennt sich darin vielleicht besser, als der Stadt lieb sein kann.
Weiterführende Links
- Meine Geschichte über Jean Tinguely und das CD-Cover – eine persönliche Erinnerung an den Sampler «-tis is it!».
- Biografie Jean Tinguely – die ausführliche Biografie des Museum Tinguely.
- Die Architektur des Museum Tinguely – Mario Bottas Gebäude am Rhein und seine Beziehung zur Stadt.
- Museum Tinguely Basel – Sammlung, Ausstellungen, Veranstaltungen und Besuchsinformationen.



