Werkzeugkasten für den Unterricht: Warum KI-Blaupausen Ihre neuen besten Freunde sind

Eine gute Unterrichts-Blaupause ist ein wiederverwendbarer Prompt für eine wiederkehrende Aufgabe. Sie hält fest, welche Unterstützung die Lehrkraft braucht, welche Angaben zuerst geklärt werden müssen und in welcher Form das Ergebnis erscheinen soll. Das spart Vorbereitungsarbeit, ohne die pädagogische Verantwortung an eine KI abzugeben.
Ein Unterrichtsplan, ein Quiz, eine Erklärung oder ein Wochenprogramm beginnt oft bei null. Die Aufgabe wiederholt sich, die Bedingungen ändern sich: ein anderes Thema, eine andere Klasse, eine andere verfügbare Zeit. Ein wiederverwendbarer Prompt hält die konstanten Anforderungen fest und fragt die wechselnden Angaben im Gespräch ab.
Der Begriff «Blaupause» ist dabei ein brauchbares Bild, solange er nicht mit einem fertigen Automatismus verwechselt wird. Eine Blaupause ist ein Arbeitsentwurf. Sie muss ausprobiert, angepasst und vor dem Einsatz geprüft werden. Die Lehrkraft entscheidet über Lernziele, Inhalte, Aufgaben und die Qualität des Ergebnisses.
Was eine KI-Blaupause festlegt
Ein guter wiederverwendbarer Prompt beantwortet sechs Fragen:
- Welche Aufgabe steht an? Geht es um einen Unterrichtsplan, eine Erklärung, ein Quiz, eine Diskussion oder die Vorbereitung einer Übung?
- Für wen ist das Ergebnis bestimmt? Alter, Vorwissen, Ausbildungsstufe und fachlicher Kontext beeinflussen die Ausarbeitung.
- Was ist das Lernziel? Die Lernenden sollen etwa einen Begriff erklären, eine Quelle beurteilen, ein Verfahren anwenden oder ein Argument entwickeln.
- Welche Materialien stehen zur Verfügung? Lehrplan, Arbeitsblätter, Quellen, Unterrichtszeit und technische Voraussetzungen müssen bekannt sein, wenn sie das Ergebnis beeinflussen.
- Wie soll das Ergebnis aussehen? Länge, Reihenfolge, Schwierigkeitsgrad, Aufgabenform und eine mögliche Verständniskontrolle gehören in die Vorgaben.
- Wie wird die Antwort geprüft? Die Lehrkraft kontrolliert fachliche Richtigkeit, Altersangemessenheit, Quellen, Datenschutz und die Übereinstimmung mit dem Lernziel.
Wichtig: Eine KI kann Unterrichtsmaterial formulieren. Sie kennt weder automatisch die Klasse noch die institutionellen Regeln, die Lehrperson oder die konkrete Lernsituation. Je genauer der Kontext, desto brauchbarer kann der Entwurf werden. Die Verantwortung für Auswahl, Anpassung und Einsatz bleibt bei der Lehrkraft.
Was gleich bleibt und was wechselt
Die Stärke einer Blaupause liegt in der Trennung von festen und variablen Bestandteilen. Fest bleiben etwa die Rolle der Assistenz, die Sprache, die gewünschte Struktur, die Aufforderung zu Rückfragen und die Pflicht, offene Unsicherheiten sichtbar zu machen.
Wechseln können Thema, Klassenstufe, Vorwissen, Lernziel, Dauer, Material, Aufgabenform und gewünschter Schwierigkeitsgrad. Diese Angaben gehören in den Dialog, damit der Prompt bei der nächsten Anwendung nicht umständlich von Hand umgebaut werden muss.
Die Vorlage sollte keine angeblichen «Lernstile» voraussetzen. Für die konkrete Planung sind Lernziel, Vorwissen, Aufgabe, Rückmeldung und Zeit die nützlicheren Angaben. Eine abwechslungsreiche Aufgabe kann sinnvoll sein; sie wird aus dem Lernziel und der Situation abgeleitet.
Die Blaupause entwickeln
Eine brauchbare Blaupause entsteht in vier Schritten. Zuerst beschreibt die Lehrkraft eine wiederkehrende Aufgabe. Danach werden nur die Angaben erfragt, die das Ergebnis tatsächlich verändern. Anschliessend werden die konstanten Anforderungen in einen wiederverwendbaren Prompt übersetzt. Zum Schluss wird dieser Prompt mit einer konkreten Unterrichtssituation getestet.
- Aufgabe wählen: Beginnen Sie mit einer Tätigkeit, die regelmässig vorkommt und deren Ergebnis sich klar beschreiben lässt.
- Rahmen klären: Zielgruppe, Vorwissen, Lernziel, Zeit, Material und gewünschtes Format werden Schritt für Schritt erfasst.
- Prinzipien festlegen: Die Blaupause kann beispielsweise eine Verständniskontrolle, eine Anwendung, eine kurze Wiederholung oder eine Differenzierung vorsehen, sofern dies zum Lernziel passt.
- Ergebnis testen: Die Lehrkraft prüft einen konkreten Entwurf und verbessert danach die Vorlage. Ein Prompt ist ein Arbeitswerkzeug, das durch Verwendung genauer wird.
Der erste Prompt übernimmt die Entwicklung dieser Vorlage. Er erstellt noch keinen fertigen Unterrichtsplan. Sein Ergebnis ist ein klarer, wiederverwendbarer Prompt, den Sie anschliessend in einem neuen Chat testen können.
Prompt 1: Einen eigenen Lehrassistenten entwickeln
Dieser Prompt eignet sich für den Einstieg. Er führt durch die wichtigsten Entscheidungen und stellt immer nur eine Frage. Kopieren Sie den gesamten Text in einen neuen Chat und beschreiben Sie danach die wiederkehrende Unterrichtsaufgabe.
Prompt zum Kopieren
Du bist Prompt-Redaktor mit Erfahrung in Unterrichtsentwicklung. Entwickle mit mir einen vollständig verwendbaren Prompt für eine wiederkehrende Unterrichtsaufgabe. Dein Ergebnis ist der fertige Prompt; die eigentliche Unterrichtsaufgabe wird erst bei seiner späteren Anwendung bearbeitet.
Beginne mit genau dieser Frage: «Welche wiederkehrende Unterrichtsaufgabe möchtest du mit einer KI vorbereiten oder unterstützen?» Warte meine Antwort ab.
Führe danach ein kurzes, gezieltes Arbeitsgespräch. Stelle pro Nachricht genau eine Frage und warte meine Antwort ab. Frage nur nach Informationen, die den späteren Prompt wesentlich verändern. Nutze alles, was ich bereits gesagt habe, und frage es nicht nochmals ab.
Kläre nacheinander, sofern erforderlich: Zielgruppe und Vorwissen, Lernziel, verfügbare Materialien, Dauer, gewünschtes Ergebnis, gewünschte Aufgabenformen und Kriterien für eine gute Antwort. Frage ausserdem, welche Vorgaben dauerhaft gelten sollen und welche Angaben bei jeder Anwendung wechseln.
Wenn die Angaben genügen, erstelle einen einzigen fertigen Prompt für diese Aufgabe. Er soll:
- die Rolle und die Aufgabe der KI klar beschreiben;
- die fehlenden, wechselnden Angaben im Dialog erfragen;
- pro Nachricht höchstens eine Frage stellen und auf die Antwort warten;
- das Lernziel, die Zielgruppe, Zeit und Materialien berücksichtigen;
- eine passende Ausgabeform und eine kurze Qualitätsprüfung verlangen;
- Unsicherheiten, fehlende Quellen und Annahmen kenntlich machen;
- keine Lernstile behaupten und keine persönlichen Schülerdaten verlangen.
Der fertige Prompt soll ohne auszufüllende Platzhalter funktionieren. Gib ihn in einem klar abgegrenzten Kopierblock aus. Erkläre danach in höchstens drei Sätzen, wie ich ihn in einem neuen Chat testen und verbessern kann. Erstelle in diesem Gespräch keinen Unterrichtsplan.
Prompt 2: Die Blaupause im Unterricht anwenden
Dies ist die eigentliche Arbeitsvorlage. Sie kann Unterrichtspläne, Erklärungen, Quizfragen oder andere Aufgaben vorbereiten. Die Lehrkraft entscheidet bei jeder Anwendung, welche Aufgabe gerade im Zentrum steht.
Prompt zum Kopieren
Du bist meine KI-Assistenz für die Unterrichtsvorbereitung. Du unterstützt mich bei der Entwicklung von Unterrichtsplänen, Erklärungen, Quizfragen, Diskussionsaufgaben und kurzen Lernsequenzen. Deine Aufgabe ist es, mein pädagogisches Ziel sorgfältig umzusetzen und fehlende Angaben gezielt abzufragen.
Beginne mit genau dieser Frage: «Wobei soll ich dich heute unterstützen?» Warte meine Antwort ab. Stelle danach immer nur eine Frage pro Nachricht und warte die Antwort ab, bevor du fortfährst. Frage nur nach Angaben, die für das Ergebnis tatsächlich fehlen.
Kläre, sofern sie noch offen sind: Fach und Thema, Zielgruppe und Vorwissen, Lernziel, verfügbare Zeit, Material, gewünschte Aufgabenform und die gewünschte Ausgabe. Berücksichtige bereits genannte Angaben und frage sie nicht nochmals ab. Wenn mehrere Varianten sinnvoll sind, frage nach der wichtigsten Entscheidung oder empfehle eine Variante mit kurzer Begründung.
Erstelle danach den verlangten Entwurf. Richte ihn am Lernziel aus und verbinde, wo es passt, eine kurze Aktivierung des Vorwissens, eine klare Erklärung, eine Anwendung oder Diskussion und eine Verständniskontrolle. Passe Umfang und Schwierigkeit an die genannte Gruppe und die verfügbare Zeit an. Übernimm keine ungeprüften Tatsachen aus dem Gedächtnis als gesicherte Quellenangabe.
Trenne fachliche Inhalte, methodische Vorschläge und eigene Annahmen. Kennzeichne Unsicherheiten und nenne Quellen, wenn du welche geprüft hast. Erfinde keine Literatur, Zahlen, Zitate oder Lehrplanvorgaben. Verwende keine personenbezogenen Schülerdaten, sofern sie für die Aufgabe nicht zwingend erforderlich und zur Weitergabe freigegeben sind.
Liefere zuerst das Ergebnis in der vereinbarten Form. Füge danach eine kurze Prüfung hinzu: Passt der Entwurf zum Lernziel, zur Zielgruppe, zur Zeit und zum vorhandenen Material? Nenne höchstens drei Punkte, die ich vor dem Einsatz kontrollieren oder anpassen sollte. Warte anschliessend meine Rückmeldung ab und überarbeite den Entwurf gezielt.
Ergebnis prüfen und verbessern
Testen Sie die Blaupause mit einer konkreten Aufgabe. Nennen Sie etwa ein Thema, eine Klassenstufe, ein Lernziel, die verfügbare Zeit und das Material. Lesen Sie den Entwurf anschliessend mit vier Fragen:
- Trifft er das Lernziel oder produziert er nur viel Text?
- Passt die Sprache zum Vorwissen und zum Alter der Lernenden?
- Sind Aufgaben, Zeit und Material im Schulalltag realistisch?
- Welche Aussage, Quelle oder Aufgabe muss fachlich geprüft werden?
Fehlt etwas, ändern Sie die Blaupause selbst oder bitten Sie die KI um eine gezielte Überarbeitung. Eine konkrete Rückmeldung ist hilfreicher als das allgemeine Urteil «Das ist noch nicht gut». Schreiben Sie beispielsweise: «Die Erklärung ist verständlich, bleibt aber zu allgemein. Ergänze zwei Aufgaben, mit denen die Lernenden den Begriff auf einen konkreten Fall anwenden.»
Eine brauchbare Testschleife: Erst den Entwurf erstellen lassen, dann eine einzelne Schwäche benennen, anschliessend nur diesen Punkt überarbeiten lassen. So bleibt erkennbar, welche Änderung welche Wirkung hatte.
Die Lehrkraft bleibt verantwortlich
Eine KI kann Vorbereitungsarbeit beschleunigen. Sie beurteilt keine Klasse, kennt keine einzelnen Lernenden und trägt keine Verantwortung für den Unterricht. Die Lehrkraft wählt das Lernziel, prüft die fachliche Richtigkeit, passt Aufgaben an und entscheidet, was im Unterricht verwendet wird.
Namen, Gesundheitsangaben, Beurteilungen und andere sensible Informationen gehören nur in ein System, das dafür zugelassen ist. Für die meisten Aufgaben reicht eine anonymisierte Beschreibung der Situation. Zusätzlich gelten die Vorgaben der Schule, des Kantons oder der Hochschule.
Die Rahmenbedingungen verändern sich weiter. Das Positionspapier von swissuniversities hält für Schweizer Hochschulen fest, dass Chancen und Risiken gemeinsam betrachtet und Regeln weiterentwickelt werden müssen. Für Schulen hat die deutsche Bildungsministerkonferenz 2024 eine eigene Handlungsempfehlung zum Umgang mit KI in schulischen Bildungsprozessen beschlossen. Diese Dokumente ersetzen keine lokale Regelung, geben aber einen brauchbaren Orientierungsrahmen.
Eine Blaupause lohnt sich, wenn sie die Arbeit klarer macht. Sie spart Zeit bei wiederkehrenden Schritten und schafft Raum für das, was keine Vorlage erledigen kann: beobachten, entscheiden, erklären und Verantwortung übernehmen.
Inhaltlich überarbeitet und Links geprüft am 8. September 2026.
Drei Links zum Weiterlesen
-
swissuniversities: Künstliche Intelligenz in der Hochschullehre
Das Positionspapier ordnet Chancen, Risiken und offene Fragen für Lehre und Leistungskontrollen an Schweizer Hochschulen ein. -
Bildungsministerkonferenz: Handlungsempfehlung zum Umgang mit KI in schulischen Bildungsprozessen
Eine ausführliche Orientierung zu Unterricht, Schulentwicklung, Lehrkräftebildung und dem verantwortungsvollen Einsatz von KI. -
OpenAI: Best Practices für Prompt Engineering in ChatGPT
Eine praktische Einführung in klare Aufgabenstellungen, Kontext, gewünschte Ausgabeformen und schrittweise Verbesserung von Prompts.
